Diehl Gruppe  

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Von der Kunstschmiede zum Technologiekonzern

Das Nürnberger Traditionsunternehmen Diehl konnte im Jahr 2002 auf einhundert Jahre Firmengeschichte zurückblicken. Die folgenden Daten markieren die wichtigsten Meilensteine von der Gründung der kleinen Kunstschmiede bis zum heutigen international tätigen Technologiekonzern. Eine ausführliche Firmengeschichte aus der Sichtweise eines führenden Historikers hat Professor Gregor Schöllgen von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg vor kurzem unter dem Titel: "Diehl - Ein Familienunternehmen in Deutschland. 1902 - 2002" im Propyläen-Verlag veröffentlicht.

5. September 1902
Margarete und Heinrich Diehl gründen in der Nürnberger Schweiggerstraße eine Kunstschmiede zur Herstellung von Epitaphen, Baubeschlägen und Kunstgußartikeln. Heinrich Diehl kümmert sich um die technischen Aspekte der Firma, Margarete Diehl um Finanzen und Personal. 1917 erfolgt der Bau eines eigenen Metall-, Guß- und Preßwerks in der Äußeren Bayreuther Straße.

20er Jahre
Mit der Errichtung einer modernen Strangpresse zur Herstellung von Stangen und Rohren stößt das Unternehmen in industrielle Dimensionen vor und beliefert über die Region hinaus Kunden in der Bauindustrie und im Automobilbau.

30er Jahre
Karl Diehl, der Sohn des Gründerpaares, nimmt die Massenfertigung feinmechanischer Erzeugnisse in der ehemaligen Bing-Fabrik in der Stephanstraße auf; ab 1937 ist hier die Hauptverwaltung des Unternehmens angesiedelt. 1938 erfolgt die Fertigstellung eines neuen Halbzeugwerks in Röthenbach an der Pegnitz. Während der Planungen für den Bau eines zweiten Werks stirbt Heinrich Diehl am 7. November 1938 und Karl Diehl übernimmt inmitten des größten Bauprojektes der Firmengeschichte die Verantwortung für 2.800 Beschäftigte.
Kurz darauf wird Diehl als kriegswichtiger Betrieb eingestuft.

40er Jahre
Während des Krieges kommen Kriegsgefangene, später auch Zwangsarbeiter zum Einsatz, um die von den Reichsbehörden diktierten Stückzahlen fertigen zu können. Schwere Luftangriffe zerstören wichtige Produktionseinrichtungen. Nach dem Ende des Krieges kennzeichnen
Demontage und Wiederaufbau der zivilen Produktion die Situation in den Werken. Als Aushilfsbeschäftigung werden zunächst Instandsetzungsarbeiten an Reichsbahnwaggons durchgeführt und Gebrauchsgegenstände wie Schöpfkellen und Suppentöpfe gefertigt. Die feinmechanische Fertigung wird wieder aufgenommen und bereits 1947 kommt die erste Diehl-Uhr auf den Markt.

50er Jahre
Diehl baut zügig sein Stammgeschäft, die Halbzeugproduktion, aus und etabliert daneben eine Reihe weiterer Geschäftsfelder, so beispielsweise die Fertigung von Rechenmaschinen und Zeitschaltuhren, die sich in den folgenden Jahren zu eigenständigen Bereichen entwickeln. Durch diese Diversifikation löst sich das Unternehmen von den zyklischen Auf- und Abschwüngen eines sehr spezifischen Markts und gewinnt zusätzlich Technologie- und Werkstoffkompetenz in verwandten Branchen. Die Aufstellung der Bundeswehr und die Nachfrage nach Wehrtechnik aus heimischer Produktion läßt Diehl an seine kriegsbedingten Erfahrungen in der Zünderherstellung anknüpfen und eine Partnerschaft begründen, die neben der Bundeswehr bald auch die Streitkräfte verbündeter Staaten umfaßt.

60er Jahre
Der technologische Wandel von mechanischen Systemen hin zu elektrischen und später elektronischen Anwendungen bringt die schmerzliche Abkehr von der bis dahin äußerst erfolgreichen Rechenmaschinenfertigung und die Hinwendung zu Systemen der Datentechnik und der modernen Textverarbeitung. Eine ähnliche Entwicklung vollzieht sich im Uhrensektor, wo anstatt der traditionellen Unruh zur Gangregelung zunehmend Quarzkristalle eingesetzt werden.

70er Jahre
Die Sportzeitmessung der Diehl-Tochter Junghans ermittelt die Olympiasieger von München, wenig später stellt das Unternehmen seine gesamte Produktion auf elektronische Uhren um. Das Zusammenwachsen der nationalen Märkte erfordert die zunehmende Internationalisierung des Unternehmens. Diehl begegnet dieser Anforderung durch die Verstärkung der weltweiten Vertriebsaktivitäten und dem Aufbau erster Auslandsstandorte so beispielsweise in Brasilien und den USA.

80er Jahre
Die Inbetriebnahme eines neuen Entwicklungszentrums in Röthenbach bündelt die im Hause Diehl vorhandenen Kompetenzen. Vor dem Hintergrund neuer Technologien einerseits und veränderter Bedrohungsszenarien andererseits erfolgt bald die Hinwendung zur sogenannten intelligenten Munition, um den Rückgang des klassischen Munitionsgeschäfts durch neue Betätigungsfelder zu kompensieren. Durch die Aufnahme der automatisierten Montage des Artillerieraketensystems MLRS in Mariahütte wird Diehl zu einem Systemanbieter mit internationaler Reputation. Die Übernahme der Bodenseewerk Gerätetechnik in Überlingen, einem führenden Hersteller von Luftfahrtausrüstung und Generalunternehmer für das europäische Produktionsprogramm des Luft-Luft-Flugkörpers Sidewinder AIM-9B, baut diese Position weiter aus und macht Diehl überdies zu einem anerkannten Anbieter von Flugzeugavionik.

90er Jahre
Junghans stellt die welterste Funksolar-Armbanduhr vor und steigt zum Schrittmacher in der Uhrentechnologie auf. Diehl wird durch die Übernahme der AKO-Werke in Wangen und Kisslegg zu einem der großen europäischen Zulieferer der Weiße-Ware-Industrie. Im Hausgeräte- und Heizungsbereich sind Diehl-Produkte jetzt in nahezu jedem Haushalt anzutreffen. Parallel dazu erfolgt der kontinuierliche Ausbau der Halbzeugaktivitäten - insbesondere im Bandbereich - durch verschiedene Übernahmen im Ausland, aber auch durch die großzügige Erweiterung der heimischen Produktionskapazitäten. Die Umfirmierung des Unternehmens in eine Familien-Stiftung zur Sicherung der weiteren Unabhängigkeit und Eigenständigkeit geht einher mit der Neustrukturierung in die drei Teilkonzerne Metall, Controls und VA Systeme.

Aktuell
Das Unternehmen hat sich damit strategisch gegliedert und so aufgestellt, daß die gemeinsame Führung von Tochtergesellschaften auch tatsächlich Synergien zu heben ermöglicht. Insofern hält sich die Unternehmensgruppe Diehl auch unter den Bedingungen des globalen Wettbewerbs und an der Schwelle des zweiten Jahrhunderts ihrer Existenz stehend für gut gerüstet, um ihre Kunden und Partner auch in Zukunft auf hohem Leistungsniveau zu überzeugen.